Im Alter leidet auch die Psyche
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Im Alter leidet auch die Psyche

Die Neumarkter Diakonie steht Senioren zur Seite, die psychisch krank sind. Sie berät in Krisen – wenn nötig, jahrelang.

Einsamkeit, Renteneintritt, Depressionen, Demenz: Was junge Menschen leicht wegstecken, kann im Alter aus der Bahn werfen. Im Landkreis Neumarkt gibt es eine Beratungsstelle, die in solchen Fällen hilft – kostenlos und absolut vertraulich. Angelika Schlierf ist eine der beiden Fachberaterinnen der Diakonie Altdorf-Hersbruck-Neumarkt, die ans Telefon gehen, wenn ein älterer Mensch anruft und in einer psychischen Krise steckt. Zum Beispiel erzählt ihr dann ein Mann, dass er gerade erst seine Frau verloren hat und seinenAlltag alleine nicht mehr meistern kann. Dass er sich nicht mehr dazu aufraffen kann, morgens aus dem Bett aufzustehen. Oder es klagt eine Frau, dass ihr Partner an Demenz erkrankt ist und sie nicht weiß, wie ihr Leben jetzt weitergehen soll. Medizinische Fragen, finanzielle Sorgen und Ängste prasseln auf sie ein. Widerstandsfähigkeit nimmt ab Schlierf oder ihre Kollegin Susanne Schulz vereinbaren dann einen ersten Termin für eine Beratung. In der Regel haben die beiden innerhalb weniger Tage Zeit für ein erstes Treffenoder ein erstes längeres Telefonat. Corona hat ihre Beratungstätigkeit hauptsächlich ans Telefon verlagert. Treffen im häuslichen Umfeld des Anrufers finden derzeit nur in gut begründeten Ausnahmefällen statt. Möglich sind auch sogenannte „Walk and Talk“-Treffen – man geht mit dem Anrufer ein Stück spazieren und spricht über das Problem. Die beiden Damen von der Beratungsstelle für psychische Gesundheit des Sozialpsychiatrischen Dienstes bei der Diakonie Neumarkt kümmern sich sozusagen um die psychische Seite des Alterns. Denn wie Schulz sagt: „Altern ist nicht nur körperlich. Es geht nicht nur um die medizinische Pflege von Senioren. Die psychische Gesundheit ist ebenso wichtig.“ Denn die psychische Widerstandsfähigkeit – im Fachjargon als Resilienz bekannt – nehme im Alter ab. Die Beraterinnen versuchen dann, je nach Bedarf Ansprechpartner zu sein und bei der Suche nach Lösungen zu helfen, an weitere Hilfsstellen zu vermitteln, den Klienten andere Perspektiven aufzuzeigen, Vorschläge zu machen oder sie zu motivieren. Manche ihrer Klienten begleiten Schlierf und Schulz mehrere Monate lang, ja sogar über Jahre hinweg. Manchen Menschen können die beiden schon mit nur einem langen Gespräch weiterhelfen. Die Klienten der Beratungsstelle lassen sich im Großen und Ganzen in zwei Kategorien einteilen: Menschen, die während des Alterungsprozesses psychische Erkrankungen wie Demenz entwickeln oder zum Beispiel den Renteneintritt, den Verlust der Mobilität oder den Toddes Lebenspartners nicht alleine verarbeiten können. Oder Menschen, die schonseit Langem mit einer psychischen Erkrankung leben und zusätzlich dazu nun noch die Herausforderung des Alterns meistern müssen. Oft seien die Grenzen fließend. Mehr Telefongespräche als 2019 Schlierf und Schulz betonen, dass sich auch Angehörige psychisch belasteter oder erkrankter Senioren gerne in der Beratungsstelle melden dürfen, wenn sie das Gefühl haben, jemand braucht unbedingt Hilfe. Die Gerontopsychiatrische Beratung ist mit zwei Diplom-Sozialpädagoginnen mit einerVollzeitstelle besetzt. Die Zahl der Beratungen ist im Jahr der Corona-Krise leicht gestiegen, vor allem die Zahl der Telefongespräche hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt. So haben Schlierf und Schulz im Jahr 2020 etwas mehr Klienten und Angehörige als 2019 betreut. Während sich 2020 die Telefonate mit Klienten im Gegensatz zu 2019 mehr als verdoppelt haben, halbierte sich die Anzahl der „Walk and Talk“-Termine oder Besuche nahezu. Allerdings haben etwas weniger Menschen zum ersten Mal den Kontakt zum Sozialpsychiatrischen Dienst der Diakonie gesucht. Die Zahl der Erstkontakte sei im Jahr 2019 noch leicht höher gewesen als 2020. Die Gerontopsychiatrische Beratung hat ihren Sitz in Neumarkt in der Friedenstraße 33 und ist telefonisch erreichbar unter der Nummer (0 91 81) 4 64 00.

(NT, 10.02.2021)

Meldung vom: 10.02.2021