Die Diakonie betreut 25 Obdachlose
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Die Diakonie betreut 25 Obdachlose

22 Männer und drei Frauen sind derzeit in Neumarkt untergebracht. Zu 98 Prozent stammen diese Menschen aus der Kreisstadt.

Sie sind ein Teil unserer Gesellschaft – und doch werden sie oft nicht wahrgenommen. Menschen ohne festen Wohnsitz. Auch in Neumarkt leben Menschen, die durch das „Raster“ gefallen sind. Julia Ebrecht und Simone Schaffer von der Diakonie Nürnberger Land/Neumarkt sind für sie da. Derzeit gibt es in Neumarkt in der Goldschmiedstraße, im Berliner Ring und im Rheinbügel drei Unterkünfte in Wohncontainern oder einer ehemaligen Pension, die Simone Schaffer und Julia Ebrecht an festen Tagen undzufestenZeitenaufsuchen.

„Wegen Corona treffen wir uns momentan nur im Freien und natürlich mit Abstand“, erklärt Schaffer. Zur Zeit betreuen sie rund 22 Männer und drei Frauen an den drei Standorten. In den Briefkästen vor Ort werfen sie die Zeiten ein, an denen sie da sind und auch Visitenkarten mit den Telefonnummern, unter denen sie erreichbar sind. „Manche haben ein eigenes Handy oder sie leihen es von jemandem, um mit uns Kontakt aufzunehmen. Es dauert seine Zeit, bis die Leute Vertrauen zu uns haben undunsereUnterstützung annehmen“, berichtet Ebrecht. Wer sind die Menschen, die mitten in Neumarkt und doch am Rande unserer Stadtgesellschaft leben? „Zu 98 Prozent kommen die Leute aus Neumarkt. Viele stammen aus wohlsituierten Familien, bekamen Suchtprobleme, rutschten in Beschaffungskriminalität, landeten im Gefängnis – und wurden von ihren Familien verstoßen.“ Zahlreiche ehemalige Häftlinge sind unter den obdachlosen Menschen.

„Es ist ein steiniger Weg, sich nach der Entlassung wieder in einen „normaleren“ Alltag zu kämpfen“, wissen Ebrecht und Schaffer. Sie helfen dabei mit Anträgen, bei Fragen aller Art, hören vor allem zu. „Es wäre für viele eine Schwäche, zu zeigen, dass man Hilfe sucht und vor allem zu einer Frau zur Beratung geht“, so Simone Schaffer. „Daher treffen wir uns ein Stück außer Sichtweite von den Wohncontainern. Letztlich ist der Zugang zu einer Frau dann oft einfacher, man muss nicht den Starken spielen. Wichtig ist nur, dass ich als Frau authentisch bleibe, dann werde ich auchrespektiert.“

Die Bewohner sind großteils zwischen 20 und 40 Jahre alt, im Jobcenter angemeldet und dadurch auch krankenversichert. Sie bezahlen 120 Euro Miete im Monat. Die beiden Helferinnen kümmern sich auch um einen weiteren Bereich, die Menschen im „Betreuten Einzelwohnen.“ Hier unterstützen sie die Menschen dabei, Stabilität zu erlangen und strukturieren den Alltag mit ihnen – vom Wäsche waschen bis zur Erinnerung an die Medikamenteneinnahme. Und noch ein Thema ist ein wichtiger Teil des Arbeitsalltags von Simone Schaffer und Julia Ebrecht. „Substitution, das heißt suchtkranke Menschen erhalten einen Ersatz für ihre Droge unter ärztlicher Aufsicht. Wir begleiten Menschen in diesem Prozess. Diese Leute sind meistens berufstätig und nicht obdachlos. Auch hier ist eine Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit sehr wichtig und das geschieht alles nicht von heute auf morgen“, erklärt Schaffer. Einen Wunsch, den die beiden Mitarbeiterinnen der Diakonie für die Zukunft haben, ist ein Auto für eine mobile Straßenambulanz.

(MZ, 06.05.2021)

Meldung vom: 06.05.2021