Den Menschen Zeit schenken
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Den Menschen Zeit schenken

Das Diakonische Werk bildet Alltagsbegleiter als Entlastung für pflegende Angehörige aus

Unterstützung für pflegende Angehörige: Wer neben der aufreibenden Pflege einmal Zeit für sich braucht, kann nun auf Alltagsbegleiter der Diakonie zurückgreifen. Die Kosten trägt die Pflegeversicherung, heißt es in einer Pressemitteilung der Diakonie. „Ich möchte für andere Menschen da sein“, „Ich habe selbst meine Eltern gepflegt und hätte jemanden gebraucht, der mir mal ein bisschen Zeit für mich schenkt, das möchte ich jetzt machen.“ Diese und noch einige andere Beweggründe haben die zwölf Teilnehmenden zur „Qualifikation zum Alltagsbegleiter“, die von Ende September bis Ende Oktober von der Fachstelle für pflegende Angehörige des Diakonischen Werks Nürnberger Land-Neumarkt veranstaltet wurde, zusammengeführt. An acht Terminen wurden sie von Ilka Kolb und Karin Schütz auf ihre Einsätze vorbereitet. Der Kurs vermittelte verschiedeneSchwerpunktein Theorieund Praxis. So ist es für die Betreuung gerade auch von Menschen mit Demenz wichtig, Hintergründe über die Erkrankung an sich, wie auch das Verhalten imNotfall oder auch den praktischen Umgang mit Rollator und Rollstuhl zu erlernen. Auch Möglichkeiten von Beschäftigung und Gedächtnistraining wurden angesprochen und selbst ausprobiert. Dabei war es Ilka Kolb immer wichtig zu betonen, wie gut diese intensive Beschäftigungszeit den Pflegebedürftigen tut. Hierdurch könne das Selbstwertgefühl gestärkt und die Menschen aus ihrer Isolation herausgeholt werden. Den Kursteilnehmerinnen wurde auch Handwerkszeug bezüglich Kommunikation, Konfliktlösung, Umgang mit den Belastungen der Angehörigen und auch Umgang mit der eigenen Rolle mit an die Hand gegeben. „Es ist wichtig, dass ich mich auch abgrenzen kann“, so Ilka Kolb von der Fachstelle für pflegende Angehörige. Auch über rechtliche Rahmenbedingungen wurden die die Teilnehmenden aufgeklärt.

Hilfe im Haushalt

Unterstützung in der Haushaltsführung nimmt bei der Betreuung von Pflegebedürftigen häufig ebenfalls eine große Rolle ein. In diesem Modul wurde vermittelt, welcheMöglichkeitenmanhat,den Haushalt mit dem Pflegebedürftigen zusammen zu erledigen. DasWichtigste imKurs waren jedoch die Erfahrungen von Ehrenamtlichen, die bereits im Einsatz als Alltagsbegleiter in den Familien sind. Sie zeigten den „Neuen“ auf, dass man keine Angst zu habenbrauche.„ Manmuss nur vor jedem Einsatz seine Antennen ausfahren, was der Betreute heute braucht, sich voll auf den anderen einlassen, dann ist die Betreuung gar kein Problem.“ Die Einsätze werden immer von der Fachstelle koordiniert und auch begleitet. „Das Gute ist“, so Ilka Kolb, „dass die Pflegeversicherung die Einsätze über den sogenannten Entlastungsbetrag bezahlt. Dadurch ist die finanzielle Hürde, sich Hilfe von außen zu holen, ausgeschaltet.“ Gerade in der Corona-Zeit habe die Isolation zugenommen. Deshalb sei diese Arbeit so wichtig, und es sei ein Beweggrund aller Teilnehmerinnen gewesen, Menschen aus dieser Isolation herauszuhelfen. „Am Anfang dachte ich, 40 Stunden sind ganz schön viel, aber schade, dass es vorbei ist“, meinte eine Teilnehmerin. „Ob ich alle Teilnehmenden in einer Familie einsetzen kann, ist noch nicht klar. Aber wenn ich ein wenig sensibler fürMenschenmitPflegebedarfund gerade auch fürMenschen mit Demenz machen konnte, dann habe ich unser Ziel erreicht“, so Ilka Kolb.

Wer einen Alltagsbegleiter zur Unterstützung seines/ihres Pflegebedürftigen haben möchte, kann sich an Ilka Kolb, Fachstelle für pflegende Angehörige, wenden: Tel. 09151/862881, Mail: angehoerigenberatung@diakonie-ahn.de. 

 

(HZ, 24.11.2020)

Meldung vom: 26.11.2020