Suchtkranke besonders gefährdet
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Suchtkranke besonders gefährdet

Die Suchtberatung des Diakonischen Werks bietet auch während der Coronakrise ihre Hilfe an.

Viele Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige sind aktuell durch die Coronakrise besonders belastet. Der Diplom-Sozialpädagoge und Sozialtherapeut Ralf Frister, Bereichsleiter Suchtkrankenhilfe beim Diakonischen Werk Altdorf- Hersbruck-Neumarkt, spricht über seine Arbeit.

Welche Herausforderungen bestehen derzeit in Ihrem Tätigkeitsbereich?

Wir beraten Menschen, die Probleme im Umgang mit Alkohol, Medikamenten, Drogen, Glücksspiel oder dem Essen haben, sowie deren Angehörige. Unsere Klienten sind durch den Konsum häufig ohnehin schon in vielen Lebensbereichen stark belastet. Die aktuelle Situation kann hier zu einer Zuspitzung der Probleme führen und diese verschärfen. Unsere Klienten leiden teilweise neben der Suchterkrankung noch an anderen chronischen Erkrankungen und gehören somit zum Teil zur COVID-19-Risikogruppe.

Welche Folgen hat die derzeitige Situation für die Betroffenen?

Kann die Versorgung der Klientel nicht mehr gewährleistet werden, gefährdet dies die Gesundheit der Menschen und führt im schlimmsten Falle zu einer weiteren Chronifizierung von Verläufen mit allen damit zusammenhängenden psychischen und körperlichen, aber auch sozialen Folgen. Neben den Betroffenen selbst sind häufig auch Angehörige stark von der Problematik mitbetroffen. Durch die Ausgangsbeschränkungenkommt es bei manchen Klienten zu einer stärkeren Konzentration auf das häusliche Umfeld, wodurch sich bestehende Konflikte verschärfen können, es kommt vermehrt zu Rückfällen oder steigendem Konsum. Andere Betroffene wiederum leiden aktuell sehr unter Einsamkeit und Einschränkungen.

Was können Sie als Suchtberater aktuell tun?

Unser reguläres Beratungsangebot findet überwiegend im persönlichen Kontakt statt. Aktuell haben wir auf telefonische Beratung umgestellt. Insgesamt machen wir hierbei die Erfahrung, dass Ratsuchende die Telefonkontakte gut annehmen und froh um das Hilfsangebot sind. Wir bemühen uns aktuell um Schutzausrüstung und machen uns Gedanken wie unsere „Exitstrategie“ aussehen könnte. Zusätzlich nutzen wir auch die digitalen Medien und bieten weiterhin Online-Beratung an.

Was empfehlen Sie Menschen mit psychischen Problemen in diesen Tagen?

Wichtig ist es, eine Tagesstruktur beizubehalten und Aufgaben sowie positive Aktivitäten für den Tag festzulegen. Auch der Erhalt von unterstützenden sozialen Kontakten ist hilfreich, zum Beispiel durch Telefonate, Videochats oder Kurznachrichten. Es empfiehlt sich, sich bewusst zu machen, welche Tätigkeiten oder Kontakte einem gut tun und diese, soweit es die momentane Situation zulässt, zu nutzen. Durch die vielfältigen Medien, die uns heute zur Verfügung stehen, werden wir aktuell mit zahlreichen Informationen zur Coronakrise versorgt. Hier ist es wichtig, diese Informationen gut zu dosieren, auf seriöse Quellen zu achten und abzuwägen, wie viel man „verträgt“, ohne sich zu sehr zu belasten. Letztendlich sollte man sich auch nicht scheuen, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn einem die Situation sehr zusetzt. Die meisten Akteure im Hilfesystem bieten momentan telefonische Kontakte an.

Wie halten Sie sich persönlich gesund?

In meiner Freizeit halte ich mich gerne bei ausgedehnten Radtouren fit. Bei der sportlichen Betätigung an der frischen Luft und in der Natur kann ich sehr gut entspannen und abschalten. Wie sind Sie derzeit erreichbar? Wir bieten aktuell telefonische Termine an, = (0 9181) 44 0906. Gerne können uns Ratsuchende auch eine E-Mail an suchtberatung@diakonieahn. de senden oder unsere Online- Beratung nutzen.

(NN, 11.05.2020)

Meldung vom: 11.05.2020