Oma und Opa auf Leihbasis
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Oma und Opa auf Leihbasis

Bündnis für Familie im Nürnberger Land schafft Entlastung von Eltern und Kontakt zwischen Jung und Alt

NÜRNBERGER LAND (ws) – Was tun, wenn die Großeltern nicht mehr da oder sehr weit weg sind? Das Bündnis für Familie im Nürnberger Land schafft mit dem Wunschgroßeltern-Projekt Abhilfe, damit der Kontakt zur übernächsten Generation nicht abreißt. Das VerhältniszumOpaoder zur Oma ist doch noch einmal ein ganz anderes, als das zu den Eltern. Mehr Freiheiten, spaßige Aktivitäten, einfach einmal ausbrechen aus dem Alltag. Gleichermaßen sind die Großeltern gerne gesuchter Babysitter, wenn die Zeit von Mutter und Vater knapp ist oder diese sich schlicht eine Auszeit gönnen wollen. Nurhat nicht jederdas Glück, die Sprösslinge bei den eigenen Eltern parken zu können, wenn diese weit weg oder vielleicht schon gestorben sind. Das Wunschgroßeltern- Programm des Landkreises Nürnberger Land versucht, diese Lücke zu schließen. In diesem Ehrenamt können Senioren eine Patenschaft für Kinder übernehmen, die keine Großeltern haben. Reger Zuspruch Das Interesse ist groß: Mechthild Scholz vom Röthenbacher Mehrgenerationenhaus berichtet, dass sich derzeit zehn Senioren als Wunschoma oder Wunschopa anbieten, die Zahl der wartenden Familien allerdings doppelt so hoch ist. Das „Miteinander von Alt und Jung“ erfreut sich regen Zuspruchs. Es ginge laut Scholz auch gar nicht darum, als Pate rund um die Uhr verfügbar zu sein, in den meisten Fällen pendeln sich die Zusammenkünfte auf etwa zwei Unternehmungen pro Woche ein. Natürlich dürften auch jüngere Menschen sich in die Jugendbetreuung einbringen, der Unterschied liegt lediglich in der Bezeichnung: „Wunschpate“. Rose-Marie Kauder aus Hersbruck ist selbst Leih-Oma und in der Aktion „Nachbarn werden“ der Diakonie Nürnberger Land/Neumarkt aktiv. In ihrem Einzugsbereich Hersbruck, Happurg, Reichenschwand, sind derzeit sechs Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendbetreuung aktiv. Bis auf „zwei etwas schwieriger gelagerte Anfragen“ konnten bisher immer Leihgroßeltern vermittelt werden. Von den 1480 Ehrenamtsstunden, die die Freiwilligen der Aktion „Nachbarn werden“ 2018 erbracht haben, entfielen laut Kauder 831 auf die Kinderbetreuung. In über 20 Jahren der Nachbarschaftshilfe Hersbruck hätten darüber hinaus viele glückliche Leihpatenschaften auch im fortgeschrittenen Alter von Kind und Betreuer Bestand. Einfach machen es allerdings auch die suchenden Eltern, die „überhaupt keine Forderungen“ stellen, so die Familienbeauftragte der Stadt Hersbruck, Sabine Sauer. In den ersten Gesprächen zwischen Leihgroßeltern und der Familie kristallisiere sich im Regelfall schnell heraus, ob beide Parteien miteinander zurechtkommen oder sich besser einen anderen Partner suchen lassen sollten. Die Voraussetzungen für die Patenschaften sind ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, der Wille, Zeit zu geben – und natürlich ein offenes Ohr für die Kinder.

(HZ, 28.03.2019)

Meldung vom: 28.03.2019