Konkrete Hilfe für Obdachlose
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Konkrete Hilfe für Obdachlose

Zwischenbilanz - Seit Mai gibt es eine pädagogische Betreuung in den drei Notunterkünften in Neumarkt. Und die Erfahrungen sind positiv.

Mit Beginn am 1. Mai dieses Jahres wurde eine sogenannte „aufsuchende Arbeit in den Notunterkünften“ durch eine Sozialpädagogin übernommen. Die Stadt trägt hierbei die Personal- und Sachkosten, die Betreuung erfolgt von Seiten der Diakonie. Die SozialpädagoginAnnikaHampel ist beim Diakonischen Werk angestellt und regelmäßig in denNotunterkünften – Wohnungen im Rainbügel sowie den Wohncontainern am Berliner Ring und in der Goldschmidtstraße– anwesend. Die Stadt Neumarkt und das Diakonische Werk Altdorf-Hersbruck-Neumarkt zogen am Mittwoch eine Zwischenbilanz nach dreiMonatender Zusammenarbeit für Betreuung in Notunterkünften in Neumarkt. Im Moment stehen 15 Stunden pro Woche für die „aufsuchende Arbeit“ genannte Betreuung zur Verfügung. Das Projekt ist befristet auf drei Jahre, doch der Nutzen für die Stadt sei jetzt schon sichtbar, waren sich der Geschäftsführer der Diakonie, Detlef Edelmann, und die SozialpädagoginAnnika Hampel einig. Zur Situation in Neumarkt meinte Hampel, dass man „jede Situation für sich betrachten und dort präsent sein“ solle. Woher kommt Obdachlosigkeit? Zu etwa 70 Prozent führt eine Suchtproblematik in Neumarkt zur Obdachlosigkeit, hauptsächlich dabei von illegalen Drogen, aber auch von Alkohol undMedikamenten, soHampel. Daneben führt auch Verschuldung – hauptsächlich bei älteren Menschen – in die Obdachlosigkeit. Bei den illegalen Drogen ist laut Hampel auch in Neumarkt Crystal Meth das Hauptproblem. Der Fachmann von der Diakonie ist aber sicher, daß „der Peak in Neumarkt für Crystal Meth“ schon überschritten sei, vor allem wegen mehr Kontrollen und dadurch schlechterer Verfügbarkeit. Er sieht deshalb hier eher einen Rückgang in Neumarkt. Die Stadt verfügt im Moment über insgesamt 30 Container als Notunterkünfte. 20 weitere Container sind „in Auftrag gegeben“, so OB Thumann auf der Pressekonferenz. Die 2. Bürgermeisterin Hesslinger betonte: „Wie wichtig die sozialpädagogische Betreuung ist, wird klar, wenn man sieht, welche Lebensumstände für die Menschen zu der Obdachlosigkeit geführt haben“. Sie hat auch darauf gedrängt, dass es ein sogenanntes „Erstausstattungspaket“ für die Obdachlosen gibt, mit einer neuenMatratze. Ziel der Betreuung direkt in den Notunterkünften ist, dass die Menschen motiviert werden, eine Therapie zu beginnen bei Suchtmittelmissbrauch. „Sinn der Notunterkunft sei nicht, dass die Menschen dort für längere Zeit leben“, so Hesslinger, womit zwei bis drei Jahre gemeint sind, was schon vorgekommen sei. Die Sozialpädagogin Annika Hampel meinte, sie habe in den drei Monaten schon eine „Akzeptanz als Streetworkerin“ bei den Menschen in den Notunterkünften gespürt. Sie sieht in der Betreuung auch Unterschiede in derWohnsituation: In den Containern in der Goldschmidtstraße sind eher „junge Leute, die sich untereinander kennen“ und dabei sei die Situation transparenter. Ihre Aufgabe sieht sie auch inder Hilfe bei Jobcenter- oder Suchtberatung und bei derWohnungssuche. Erste Erfolgserlebnisse Befragungen in Neumarkt zeigten, so Hampel, dass ca. 95 Prozent der Menschen in den Notunterkünften noch keinen Kontakt zueiner Beratungsstelle hatten, doch der Bedarf zeigte sich schnell nach Beginn der Arbeit. Dabei konnte sogar schon ein Mann durch die Beratung eine Entgiftung antreten, danach gibt es einen Platz in der Reha. DerDiakonievorstand Edelmann dazu: „Wir wollen mit dem neuen Angebot in der Stadt Neumarkt ein Stück weit auch langfristig zur Verbesserung der derzeitigen Wohn- und Lebenssituation der Menschen, die in denNotunterkünften wohnen, beitragen.“ Undweiter: „Die ersten Erfahrungen sind positiv.“ Vor allem der Aufbau eines Netzwerks und die Verknüpfung mit den Ämtern, Behörden und lokalen Beratungsstellen bestimmte die Arbeit der letzten drei Monate, zusätzlich zum „direkten Klientenkontakt“.

(MB, 08.08.2019)

Meldung vom: 08.08.2019