Gratis-Frisur für Bedürftige
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Gratis-Frisur für Bedürftige

Friseur-Meisterin Sylvia Engelhardt engagiert sich bei den Barber Angels. Bald wirkt diese Organisation erstmals in Neumarkt.

Gratis-Haarschnitt für Obdachlose und Bedürftige. Das Prinzip dieser Hilfe ist so einfach wie von den Betroffenen höchst willkommen: Alle drei, vier Monate ist einTermin in einer bayerischen Stadt angesetzt. Mit Gutscheinen ausgestattet kommen in diesem Fall die Menschen zum Treffpunkt. Drei Stunden dauert jede Aktion der sogenannten „Barber-Angels“. Mit Sylvia Engelhardt gibt es auch ein Mitglied aus Neumarkt. Und die sorgt im November für einen ersten Termin dieser Art der Hilfe nun auch in Neumarkt. Die Barber-Angels sind eine internationale Vereinigung, die in Deutschland als gemeinnütziger Verein anerkannt ist. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen auf der Straße lebenden oder von schwierigen sozialen Rahmenbedingungen betroffenen Menschen mit dem Haareschneiden sowie Bartschnitten oder Tageskosmetik zu einem Aussehen verhelfen, das ihnenWürdegibt. Premiere inNeumarkt Alle drei, vier Monate wird deshalb von den Barber Angels in einer Stadt ein Termin angeboten. Die Premiere in Neumarkt findet in den Räumen des Leb-mit-Ladens statt. Der stattet seine Kunden auch mit jenen Berechtigungsgutscheinen aus, welche die von Barber Angels „Gäste“ genannten Kunden bei der Premiere im November mitbringen sollen. Das ist die einzige Bedingung für den danach kostenlosen Service. Seit 2016 gibt es die „Barber Angels Brotherhood“. Drei Jahre später nahm stellvertretend für alle Aktiven der Initiator der Vereinigung, Claus Niedermaier aus Biberach an der Riß, heuer im Mai eine besondere Auszeichnung entgegen. Im Palais du Luxembourg, dem Sitz des Oberhauses des französischen Parlaments, erhielt die Hilfsorganisation die höchste Auszeichnung der Vereinigung „Grand Prix Humanitaire de France“ (GPHF): die Goldmedaille am Bande als Preis für Menschlichkeit. Die 1892 gegründete Vereinigung GPHF würdigt mit ihren undotierten Auszeichnungen jährlich Frauen und Männer, die in Not geratenenMitmenschen unentgeltlich Hilfe leisten. „Die Bedeutung dieser Auszeichnung treibt uns an, weiterzumachen – und das in inzwischen fünf europäischen Ländern“, sagte damalsClaus Niedermaier. Ein Abzug dieser Urkunde hängt auch im Salonvon SylviaEngelhardt. Die Thalmässingerin ist seit 40 Jahren Friseurin. Seit fünf Jahren betreibt sie in der Neumarkter Kastengasse 7 den Barber-Shop. Heuer trat sie dieser bei. Und sie ist mittlerweile im Rang eines „Apostel“ tätig. Wer als „Angel“ mitmachen will, muss erst zwei, drei Einsätze als Gast- Engel mitmachen. Das dient dazu, um zu sehen, ob man dazu bereit ist, die Geschichten der oft schweren Schicksale zu verarbeiten undwegzustecken. Man erfahre oft sehr viel über einen Menschen und merke, ganz unten ist man ganz schnell. Krankheit, Scheidung oder der Verlust des Arbeitsplatzes wirft viele aus der Bahn – merkte Engelhardt an. Wichtig sei: Nichtnur Friseure können mitmachen, denn es werden auch Helfer für die einzelnen Angebote gesucht. Diese werden Orga-Angels genannt. Denn es muss auch für Sauberkeit gesorgt werden. Außerdem erhält jeder „Gast“ ein Goody-Bag. Das ist ein kleines Säckchen, das eine Sonnenoder Lesebrille sowie Produkte zur Körperpflege enthält. Diese werden mit Hilfe der Unterstützer dieser Bruderschaft wie Apollo-Optik oder der dm-Drogeriemarktkettegefüllt. Für Sylvia Engelhardt ist das Jahr mittlerweile stark, aber nicht belastend durch ihre Einsätze geprägt. Wenn Friseure am Sonntag und vor allem amMontag frei haben, sind Barber Angels wie die Wahl-Neumarkterin unterwegs. Burghausen, Regensburg undPassau etwa sind solche Einsatzorte im sogenannten „Chapter“ Bayern. Dieses „Chapter“ ist nach demBundesland genannt, in dem die Einsatzorte liegen. Auch das lässt sich von der schwarzen Kutte ablesen, die Sylvia Engelhardt trägt. Mit Gästen auf Augenhöhe Dass eine solche Jacke einer Kutte eines Mitglieds eines Motorradclubs stark ähnelt, ist gewollt. „Wir wollten das Image von Schickmicki ablegen. Die Kutte trägt auch dazu bei, Hemmungen im Umgang mit uns abbauen zu wollen. Wir wollen mit unseren Gästenauf Augenhöheumgehen.“ Keine Berührungsängste und die Vorfreude auf einen Haarschnitt hier; das Wissen darum, dass in dieser Gesellschaft vieles in der Beurteilung eines Menschen von dessen Äußerem abhängt dort: So begegnet man einem Barber Angel. In der Regel würden Höhepunkt und Finale eines solchen Kontakts so aussehen, wie es Engelhardt dem Tagblatt beschrieb: „Der Gast kann nicht mitverfolgen, wie sich durch das Schneiden sein Äußeres verändert. Das Ergebnis sieht er erst in dem Moment, wennSie oder Er in denSpiegel schaut, denwir demGast vorhalten.“ Zu der dann in den meisten Fällen gar überschwänglichen freudigen Reaktion hat Sylvia Engelhardt dem Tagblatt verraten: „Da habe ich selbst schon eine Träne der Freude über soviel Freude vergossen.“ Viele seien schüchtern undmit hängenden Schultern rein und dann um einiges aufrechter in der Körperhaltung raus. Das gebe ihr diegrößte Genugtuung,merkte der erste Neumarkter Barber Angel Sylvia Engelhardt an.

Meldung vom: 13.10.2019