Flucht damals und heute
 


Aktuelles aus dem Diakonischen Werk

Flucht damals und heute

Ein ökumenischer Gedenkgottesdienst erinnerte an das Novermberpogrom von 1938.

Zum Jahrestag des Novemberpogroms 1938 fand in der evangelischen Christuskirche ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Titel „Sie haben es gerade noch geschafft“ statt. Vergangenheit und Gegenwart wurden dabei miteinander verknüpft. An das Schicksal von Juden und anderen Verfolgten, die in den 1930er Jahren aus Nazi-Deutschland in das sichere Ausland emigrieren konnten, erinnerte Dekanatsreferent Christian Schrödl. Heute gibt es über 80 Millionen Vertriebene auf der ganzen Welt. Deren Leid nahmen Hildegard Remling und Sabine Tzschabran von der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie und der Caritas in den Fokus. Die evangelische Dekanin Christiane Murner betonte, dass vor 82 Jahren auch in Neumarkt jüdische Mitbürger ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Die heutigen zunehmenden antisemitischen Übergriffe und eine menschenverachtende Sprache seien Anlass zum Nachdenken. „Der christliche Glaube schließt Judenfeindschaft aus.“ Dekanatsreferent Christian Schrödl warf einen Blick in die Historie. Es sei für viele Menschen immer schwieriger geworden, in den 1930er Jahren zu emigrieren, weil viele Länder immer restriktiver mit hohen bürokratischen Hürden reagiert hätten. Aus Neumarkt entkamen Nina Neustädter mit ihrer Tochter Nanni, wie Schrödl an diesem Beispiel erläuterte. Hildegard Remling und Sabine Tzschabran blickten auf die derzeitige Situation der Migranten und Geflüchteten im Landkreis Neumarkt. Seit dem Jahr 2016 liegt die Zahl der Geflüchteten stabil bei rund 1400, das entspricht einem Prozent der Bevölkerung. Seit März dieses Jahres steigen die Zahlen etwas. Die Hälfte von ihnen hätte eine eigene Wohnung und einen Arbeitsplatz. In der Flüchtlings- und Integrationsberatung kümmert man sich um Unterbringung, Beschäftigung und das Erlernen der deutschen Sprache. „Ab dem nächsten Jahr gibt es dafür statt wie bisher 4,5 Arbeitsstellen eine halbe Stelle weniger“, bedauerten Remling und Tzschabran die Situation. Religionslehrer Helmut Enzenberger gestaltete den Gottesdienst musikalisch, an dessen Ende Pfarrer Stefan Wingen und Dekanin Christiane Murner Segensgebete sprachen.

(NN, 11.11.2020, Text Franz Xaver Mayer)

Meldung vom: 11.11.2020